THIS IS ME

EINZELAUSSTELLUNG · KULTURFABRIK WETZIKON
21.–24. Juni 2026
ÜBER DIE AUSSTELLUNG
THIS IS ME. Meine Geschichte. Meine Narben. Meine Erfahrungen. Meine Ängste. Meine Stärke. Mein Weg.
Fast ein Jahr lang habe ich im Stillen an dieser Ausstellung gearbeitet. Mit jedem Bild habe ich mich einem Teil meiner eigenen Geschichte gestellt. Jedes Werk erzählt von etwas, das mich geprägt hat – von Erfahrungen, die Spuren hinterlassen haben, von Masken, die irgendwann fallen mussten, und von Dingen, über die ich lange nicht sprechen konnte.
Mit THIS IS ME will ich nicht provozieren. Ich will sichtbar machen, worüber noch immer viel zu oft geschwiegen wird. Ich will hinschauen, wo wir lieber wegsehen. Und vor allem möchte ich eines sagen: Du bist nicht allein.
Ich habe überlebt. Andere hatten dieses Glück nicht. Manche haben ihren Kampf verloren. Auch ihnen möchte ich mit dieser Ausstellung Raum geben – und sie nicht vergessen.
Vielleicht steht irgendwo ein junges Mädchen gerade am Anfang eines ähnlichen Weges. Vielleicht erkennt sich jemand in einem meiner Bilder wieder. Vielleicht findet ein Mensch, der bisher geschwiegen hat, darin den Mut, sich jemandem anzuvertrauen, Hilfe anzunehmen oder einfach den ersten Schritt zu machen.
Was ich erlebt habe, hätte nicht passieren müssen. Leid ist nichts, wofür man dankbar sein muss, und nichts, das einen Menschen erst stark oder wertvoll macht. Aber ich kann heute entscheiden, was ich daraus mache. Und wenn meine Geschichte dazu beiträgt, dass sich auch nur ein Mensch weniger allein fühlt, dass jemand früher um Hilfe bittet oder den Mut findet, nicht länger zu schweigen, dann ist aus etwas Schmerzhaftem etwas entstanden, das über meine eigene Geschichte hinausgeht.
THIS IS ME ist keine Provokation. Es ist eine Stimme.
Für die, die überlebt haben. Für die, die wir verloren haben. Und für die, die gerade erst den Mut finden, ihren ersten Schritt zu gehen.


I — IHR GABT UNS NAMEN.
WIR VERWANDELTEN SIE IN STÄRKE.
Im Zentrum stehen keine Krankheiten. Hier stehen Menschen.
Menschen, deren Leben andere zu verstehen glaubten, nur weil sie die Bezeichnung ihrer Diagnose kannten.
Angststörung. Autismus. ADHS. Bipolare Störung. Depression. Bulimie. Chronisches Erschöpfungssyndrom. Und viele andere.
Namen, die zu oft benutzt wurden, um zu trennen, statt zu verstehen.
Deshalb erscheinen diese Menschen als Götter. Um sie herum stehen die Stimmen, die urteilen. Die Blicke, die verurteilen. Die Menschen, die glauben, ein ganzes Leben in einem einzigen Wort erfassen zu können.
Nicht, weil sie über anderen stehen, sondern weil sie weitergehen.
Trotz Ablehnung. Trotz Vorurteilen. Trotz Unverständnis. Trotz der Urteile derer, die nur von aussen betrachten.
Denn eine Diagnose kann einen Zustand beschreiben.
Aber sie kann niemals ein ganzes Leben umfassen.

II — LA VOZ EN EL ESPEJO.
Bulimie erscheint nicht als Monster. Sie erscheint als Retterin. Genau das macht sie so gefährlich.
Ein junges Mädchen sucht nicht nach Selbstzerstörung. Sie sucht nach Akzeptanz.
Sie hört die Worte der anderen. Sie sieht ihren Körper durch fremde Augen. Sie glaubt, nicht gut genug zu sein.
Und dann erscheint eine Stimme. Keine Stimme, die schreit. Eine Stimme, die flüstert:
„Ich kann dir helfen.“
„Ich kümmere mich um dich.“
„Mit mir wird alles leichter.“
Doch genau darin liegt die Falle. Sie kommt als Freundin verkleidet.
Und wenn man erkennt, dass sie lügt, hat sie oft bereits die Kontrolle übernommen.

EL ESPEJO MIENTE…
Ich habe alle überlebt.
Nur mich selbst nicht.
Es gab Menschen, die mich verletzt haben.
Worte, die blieben.
Urteile, die Narben hinterliessen.
Doch keine dieser Stimmen war so grausam wie diejenige, die ich mit der Zeit zu meiner eigenen machte.
Der Spiegel zeigte längst nicht mehr mein Gesicht.
Er zeigte meine Ängste.
Meine Schuld.
Meine Scham.
Alles, was ich glaubte, an mir hassen zu müssen.
Jahrelang kämpfte ich gegen ein Bild, das nur in meinem Kopf existierte. Und doch bestimmte es jeden einzelnen Tag meines Lebens.
Niemand sah diesen Krieg. Denn er fand hinter verschlossenen Türen statt.
In Gedanken.
In Ritualen.
In der Stille.
In diesem Moment ist die Krankheit nicht länger mein Begleiter.
Sie ist mein Spiegelbild geworden.

EL SANTUARIO
Für die meisten Menschen
ist es nur ein Badezimmer.
Für mich war es ein Zufluchtsort.
Ein Ort, den ich sauber hielt.
Ein Ort, den ich nicht teilen wollte.
Ein Ort, der nur mir gehörte.
Hier begann mein Ritual.
Hier sprach die Stimme,
die mir versprach,
alles unter Kontrolle zu haben.
Hier fanden Schuld
und Erleichterung
denselben Platz.
Was für andere nur ein Raum war,
wurde für mich zu einem Heiligtum.
Zu meinem Altar.
Zu einem Ort, an den ich immer
wieder zurückkehren konnte.
Nicht weil ich dort frei war.
Sondern weil ich glaubte,
dort Frieden zu finden.
Denn manche Gefängnisse
fühlen sich am Anfang
wie ein Zuhause an.

DIE STIMME, VOR DER ICH AUF DIE KNIE GING
Ich hätte niemals gedacht,
dass ich eines Tages hier enden würde.
Auf den Knien vor meiner Toilette.
Meinem Heiligtum.
Dem einzigen Ort, den ich nicht teilen wollte.
Ein Ort, den ich sauber hielt.
Ein Ort, den ich beschützte.
Meine Gäste benutzten ein anderes Badezimmer.
Denn dieses gehörte nur mir.
Hier hatte ich die Kontrolle.
Oder zumindest glaubte ich das.
Nach jedem Essen begann dasselbe Ritual.
Nicht nur Nahrung verliess meinen Körper.
Sondern Schuld.
Scham.
Und Stück für Stück auch ich selbst.
Am Anfang fühlte es sich wie eine Entscheidung an.
Dann wurde es zu einem Bedürfnis.
Und später zu einem Befehl.
Egal, wie oft ich mir versprach,
dass es das letzte Mal sein würde.
Die Stimme kam immer zurück.
Lauter.
Hungriger.
Grausamer.
Und ich gehorchte.
Denn irgendwann wollte ich nicht mehr
dünn sein. Ich wollte nicht mehr schöner sein.
Ich wollte nicht mehr dazugehören.
Ich wollte nur noch ein paar Sekunden Stille.
Nur ein paar Sekunden.
Und ich war bereit,
jeden Preis dafür zu bezahlen.

LO QUE HABITA EN MI SOMBRA
Ich habe so lange gegen mich selbst gekämpft,
dass ich vergessen habe, wie es sich anfühlt,
auf meiner eigenen Seite zu stehen.
Ich war mein eigenes Schlachtfeld,
mein eigener Richter
und mein eigener Henker.
Jeder Blick in den Spiegel wurde zu einem Prozess,
in dem ich niemals unschuldig war.
Ich suchte mein Gesicht und fand nur die Versionen
von mir, die meine Ängste erschaffen hatten:
das Monster, die Hässliche, die Dicke
und diejenige, die niemals genug sein würde.
Irgendwann stellte ich mir die grausamste aller Fragen:
Bin ich noch ich,
oder bin ich nur noch die Stimme,
die mich seit Jahren zerstört?
Ich kenne meine Schatten bereits so lange,
dass ich nicht mehr weiss,
wo sie enden und wo ich beginne.
Deshalb habe ich kein Gesicht.
Nicht, weil ich keines habe,
sondern weil ich vergessen habe,
welches mein eigenes ist.
Die Spiegel in meinem Gesicht zeigen nicht mich.
Sie zeigen euch.
Vielleicht erkennt ihr darin
euer eigenes Monster.
Denn wir alle tragen Dinge in uns,
die wir verstecken.
Worte, die uns verfolgen.
Erinnerungen, die uns zerbrechen.
Stimmen, die uns einreden,
dass wir nicht genug sind.
Die gefährlichsten Monster
leben nicht unter unserem Bett.
Sie leben in uns.

LA CÁRCEL
DAS GEFÄNGNIS WAR NIEMALS
MEIN KÖRPER.
Jahrelang jagte ich einer Version von mir hinterher,
von der ich glaubte, sie würde mich retten.
Ich dachte, wenn ich nur kleiner wäre,
wenn ich nur mehr Kontrolle hätte,
wenn ich nur perfekt genug wäre,
würde die Stimme endlich schweigen.
Doch als ich ankam, wartete dort keine Freiheit.
Die Gitter waren noch immer da.
Denn das Gefängnis war niemals mein Körper.
Es waren die Regeln, denen ich gehorchte.
Die Angst, die mich führte.
Die Stimme, die mir einredete,
dass ich erst wertvoll wäre,
wenn ich weniger wäre.
Ich war die Gefangene.
Und gleichzeitig die Wärterin.
Ich hielt den Schlüssel in meinen eigenen Händen
und hatte trotzdem Angst, die Tür zu öffnen.
Denn nach so vielen Jahren fühlt sich selbst
ein Gefängnis irgendwann wie ein Zuhause an.
Und das ist die grausamste Wahrheit:
Man kann seinen Traum erreichen
und trotzdem unglücklich bleiben.
MANCHE TAGE HALTE ICH SIE FEST.
MANCHE TAGE LASSE ICH LOS.
DIE GEFANGENE × DIE WÄRTERIN
DER KAMPF IST NICHT VORBEI.
Aber zum ersten Mal kämpfe ich
nicht mehr darum, weniger zu werden.
ICH KÄMPFE DARUM,
WIEDER ICH SELBST
ZU SEIN.

III. SUS MANOS
Ich erinnere mich nicht
an den ersten Schlag.
Denn lange davor gab es
bereits Gewalt.
Sie war leise.
Sie kam mit schönen Worten.
Mit Versprechungen.
Mit Geschenken.
Mit einem „Ich tue das nur,
weil ich dich liebe.“
Fue silenciosa.
LLEGÓ CON
PALABRAS.
PROMESAS.
REGALOS.
«ICH TUE DAS NUR,
WEIL ICH DICH LIEBE.»
Dieselben Hände, die mich
beschenkten,
hielten mich fest.
Dieselben Hände, die mich
einst trösteten,
versperrten mir den Ausgang.
DIESELBEN HÄNDE,
DIE MICH TRÖSTETEN,
SPERRTEN MICH EIN.
Sie brauchten keine Fäuste,
um mich gefangen zu halten.
×
EIN BLICK.
EIN WORT.
EIN VORWURF.
×
EIN STREIT,
DER NIEMALS ENDETE.
Langsam wurde
meine Welt immer kleiner.
Bis ich nicht mehr wusste,
ob ich blieb,
weil ich wollte.
Oder weil ich nicht mehr
wusste,
wie man geht.
MEINE WELT
WURDE IMMER
KLEINER.
ICH WUSSTE NICHT MEHR,
OB ICH BLIEB,
WEIL ICH WOLLTE.
Oder
WEIL ICH
NICHT MEHR
WUSSTE,
WIE MAN GEHT.
ICH SAH KEINE LIEBEVOLLEN HÄNDE MEHR.
ICH SAH
EIN GEFÄNGNIS.

CUANDO PENSÉ QUE MORÍA,
NANO ME SALVÓ.
Es war ein Sonntagabend.
Eine Lüge.
Ein Streit.
Ein weiterer Versuch,
mich kleinzumachen.
Doch dieses Mal waren die Hände,
die mich so lange kontrolliert hatten,
nicht mehr nur eine Bedrohung.
Sie lagen um meinen Hals.
Immer fester.
Ich versuchte zu atmen.
Ich versuchte zu kämpfen.
Und in diesem Moment
war ich überzeugt,
dass ich sterben würde.
Dann sah ich ihn.
NANO.
Voller Angst.
Und doch gab er mir die Kraft,
die ich nicht mehr hatte.
Ich befreite mich.
Ich nahm ihn.
Und wir flohen
durch die Strassen von Vigo,
bis der Morgen anbrach.
Nicht,
weil wir keinen Ort hatten,
an den wir gehen konnten.
Sondern weil
mein eigenes Zuhause
der gefährlichste Ort der Welt
geworden war.
Als ich zurückkam,
schlief er.
Als wäre
nichts geschehen.
Für ihn
war die Nacht vorbei.
Für mich
hatte sie gerade erst
begonnen.
In dieser
Nacht
verstand ich
endgültig:
Besitz ist keine Liebe.
Kontrolle ist keine Fürsorge.
Angst ist keine Nähe.
„Ich habe immer gesagt,
dass mir kein Mann
jemals sagen würde,
was ich tun soll.
Und selbst ich
bin gefallen.“
„Kike,
du trägst ein Abzeichen,
das für Schutz stehen soll.
Ich trage die Erinnerung
an die Nacht,
in der ich Schutz
vor dir brauchte.“

LAS MANOS QUE DEJARON HUELLA.
La noche terminó.
Pero nunca me abandonó.
Crónica del cuerpo:
Seine Hände verschwanden von meinem Hals.
Aber seine Worte blieben.
„Du wirst mein Leben zerstören.“
„Niemand wird dir glauben.“
Diese Sätze begleiten mich bis heute.
Ich ging zur Arbeit mit blauen Flecken am Hals.
Und die Menschen sahen keine Gewalt.
Sie sahen nur, was sie sehen wollten.
Einen Kuss.
Ein Zeichen
von Leidenschaft.
Nicht die Finger
eines Mannes,
der mir die Luft nahm.
Die Angst blieb.
Nicht nur
die Angst
vor ihm.
Sondern die Angst vor jeder Hand,
die meinem Hals zu nahe kommt.
Vor jedem Zug voller Menschen.
Vor jedem Flugzeug, aus dem ich
nicht fliehen kann.
Vor jedem Schal.
Vor jeder Kette, die ich nicht
tragen kann.
Sogar vor den Menschen,
die ich liebe.
Denn mein Körper erinnert sich.
Was mein Verstand niemals vergessen wird.
Und ich sehe
noch immer
die Augen
meines Hundes
Nano.
Seine Angst.
Seinen Blick,
als er mich daran erinnerte,
dass ich noch
leben wollte.
Das Schlimmste
ist nicht
die Nacht,
in der ich
beinahe starb.
Das Schlimmste ist,
dass ein Teil von mir
bis heute
auf den nächsten
Angriff
wartet.
Die schlimmsten Hände
sind nicht immer die,
die dich festhalten.
Manchmal sind es die, die loslassen.
Und trotzdem
niemals
verschwinden.

IV. DIE FASSADE
„Das schönste Lächeln kann der grösste Schrei
nach Hilfe sein.“
Wir leben in einer Welt, die uns beibringt,
zu funktionieren.
Nicht zu fühlen. Nicht zu weinen.
Nicht zusammenzubrechen.
Also lernen wir, zu lächeln.
Ein schönes Gesicht für die Gesellschaft.
Ein perfektes Bild für die Familie.
Ein
„Mir geht es gut“ für Freunde,
obwohl wir innerlich bereits
zerbrechen.
Wir schminken unsere Augen,
obwohl sie jede Nacht
geweint haben.
Wir gehen zur Arbeit,
obwohl wir nicht einmal
die Kraft haben,
aus dem Bett aufzustehen.
Wir machen Witze,
während unsere
Gedanken uns
zerstören.
Wir posten
glückliche Momente,
während wir uns
in unserem eigenen Zuhause
nicht mehr
ertragen.
Und das Schlimmste daran?
Die Menschen loben die Maske.
„Du siehst grossartig aus.“
„Du bist so stark.“
„Du schaffst das schon.“
Niemand fragt, wie viele Tränen
sich hinter dieser perfekten Fassade
verbergen.
Irgendwann tragen wir
die Maske nicht mehr,
um andere zu täuschen.
Wir tragen sie,
weil wir vergessen haben, wer wir darunter
wirklich sind.
DIE WARHEIT HINTER DER MASKE
Die Wahrheit hinter der Maske
«Die Stimmen der anderen wurden zu meiner eigenen Stimme»
Irgendwann fiel die Maske.
Die schöne Frau mit dem perfekten Lächeln verschwand.
Und darunter blieb die Wahrheit.
Die Frau, die sich jede Nacht fragte, warum sie nie gut genug war.
Die Frau, die jedes Wort der anderen wie eine Wunde in sich trug.
Zu viel.
Nicht genug.
Zu empfindlich.
Schuldig.
Archivdokument
Persönliches Zeugnis
Identitätsprotokoll
Gesellschaftliches Archiv
Sie kritisierten mich.
Sie kontrollierten mich.
Sie machten mich klein.
Sie brachen mich nicht nur mit ihren Taten.
Sie brachen mich mit ihren Worten. Interner Bericht
Eines Tages mussten sie mich nicht mehr verletzen.
Ich führte ihre Arbeit weiter. Ich wurde meine eigene Richterin.
Meine eigene Feindin. Mein eigenes Gefängnis.
Das Grausamste war nicht, dass sie gingen.
Das Grausamste war, dass ihre Stimmen blieben.
Ich begann, mich selbst mit denselben Augen zu sehen, mit denen sie mich verurteilt hatten.
Und ich lächelte weiter.
Bis ich mich nur noch durch ihre Augen sehen konnte.

The First Breath
Die ersten Striche eines Menschen, der wieder lernen musste zu leben.
Diese Bilder entstanden nicht in einem Atelier.
Sie entstanden hinter den Mauern einer Klinik.
An einem Ort, an den ich nicht ging, um Künstlerin zu sein.
Ich ging dorthin, weil ich nicht mehr wusste, wie ich weiterleben sollte.
Hinter den Mauern einer Klinik.
Diese Zeichnungen waren nicht der Beginn meiner Kunst.
Sie waren der Beginn meiner Rückkehr zu mir selbst.
Einige dieser Werke sind von den Arbeiten anderer inspiriert.
Denn am Anfang hatte ich meine eigene Stimme noch nicht wiedergefunden.
Es ging nur darum, den nächsten Tag zu erreichen.
Einen weiteren Atemzug zu nehmen.
Weiter hier zu sein.
Nicht der Beginn meiner Kunst.
Der Beginn meiner Rückkehr zu mir selbst.
Ich zeichnete fremde Formen, während ich versuchte, meine eigene Form wiederzufinden.
Jede Linie war ein Atemzug.
Jeder Strich war ein kleiner Akt des Widerstands gegen die Dunkelheit.
Widerstand gegen die Dunkelheit.
Zum ersten Mal seit langer Zeit ging es nicht darum, perfekt zu sein.
Nicht darum, schön zu sein.
Nicht darum, die Erwartungen anderer zu erfüllen.
Diese Bilder sind einfach.
Unperfekt.
Zerbrechlich.
Genau wie ich damals.
Aber sie waren der erste Beweis dafür, dass in mir noch etwas lebte.
Etwas, das nicht aufgeben wollte.

LA MIRADA QUE QUEDÓ
Ich lernte, die dunklen Ringe unter meinen Augen zu überschminken, meine Tränen herunterzuschlucken und „Mir geht es gut“ zu sagen, während ich innerlich in tausend Stücke zerbrach.
Ich war die starke Frau.
Die lustige Frau.
Diejenige, die immer für alle da war.
Und währenddessen liess ich mich selbst zurück.
Kein Make-up.
Kein Hollywood-Lächeln.
Kein „Es ist nichts“.
Hier gibt es kein Make-up.
Kein Hollywood-Lächeln.
Kein „Es ist nichts“, nur damit andere sich besser fühlen.
Hier gibt es Erschöpfung.
Wut.
Erinnerungen, die immer noch wehtun.
Nächte, in denen die Vergangenheit ungefragt zurückkehrt.
Meine echten Augen
Das sind meine echten Augen.
Nicht die Augen, die ich auf Fotografien zeigte.
Nicht die Augen, die versuchten, der Welt einzureden, dass alles in Ordnung war.
Die Augen, die Angst gesehen haben.
Die Augen, die nicht schlafen konnten.
Die Augen, die weinten.
Es sind die Augen, die Angst gesehen haben.
Die Augen, die nicht schlafen konnten.
Die Augen, die in Badezimmern weinten, damit niemand sie hören konnte.
Die Augen einer Frau, die lernte zu überleben, als sie keine Kraft mehr hatte zu leben.
Die Wahrheit
Aber es gibt auch etwas, das es früher nicht gab:
Die Wahrheit.
Zum ersten Mal senken diese Augen nicht den Blick.
Sie verstecken sich nicht.
Sie schämen sich nicht für ihre Narben.
Schaut sie an.
Lasst euch von ihnen berühren.
Lasst euch von ihnen erschüttern.
Sie verstecken sich nicht.
Sie schämen sich nicht für ihre Narben.
Denn nach einem ganzen Leben voller Lügen und dem ständigen Vorspielen, dass alles gut sei, sind dies die Augen, die endlich den Mut gefunden haben, die Wahrheit auszusprechen.

THE RAVEN, THE EAGLE & THE LIGHT
Drei Kräfte. Ein Selbst.
Links von mir:
Der Rabe.
Er kennt meine Dunkelheit.
Er hat gesehen, wie ich fiel.
Er war da, wenn niemand blieb.
Er urteilt nicht.
Er fragt nicht.
Er beschützt.
Mein Schatten, meine Stärke, mein stiller Wächter.
Rechts von mir:
Der Adler.
Er schützt mich vor der Welt, die nicht versteht.
Vor den Menschen, die verletzen wollen.
Vor den Stimmen, die mir schaden wollen.
Meine Kraft, mein Mut und mein Schutz.
Er bewacht meine Grenzen, damit ich heilen kann.
Über mir:
Das Licht.
Es war so oft klein.
So weit entfernt.
Kaum sichtbar.
Und doch … es ist nie erloschen.
Es ist der Teil in mir, der nicht aufgegeben hat.
Der Teil, der weiterkämpft.
Der Teil, der glaubt, dass nach jeder Nacht ein neuer Morgen existiert.
Der Rabe bewacht mich.
Der Adler beschützt mich.
Das Licht erinnert mich daran, wer ich wirklich bin.
Nicht perfekt.
Nicht bequem.
Aber echt.
So überlebe ich.
So lebe ich.

TOGHETER
Wir begegneten uns nicht im Licht.
Wir begegneten uns in unseren dunkelsten Momenten.
Es war keine Liebe auf den ersten Blick.
Kein sofortiges Verstehen.
Um ehrlich zu sein – am Anfang konnte ich dich nicht ausstehen.
Ich sah die Arroganz.
Die Mauern.
Die Fassade, die du der Welt gezeigt hast.
Doch an dem Tag, an dem du mir deine ECHTE Seite gezeigt hast, erkannte ich etwas, das ich nicht erwartet hatte:
Ein Herz, das grösser war als die Rolle, hinter der du dich versteckt hast.
Du kanntest meine Vergangenheit.
Meine Schatten.
Meine Ängste.
Meine Narben.
Die Seiten von mir, die ich selbst am schwersten akzeptieren konnte.
Und trotzdem bist du geblieben.
Dieses Bild ist mein Tribut an die Hand, die meine an jenem Tag ergriffen hat.
An die Hand, die mich gehalten hat, als ich zerbrochen war.
An die Hand, die mich daran erinnerte, dass ich nicht alles allein tragen muss.
Wenn zwei Seelen sich finden, heilt das, was allein nicht heilen konnte.
Und das Schönste daran ist nicht, dass du meine Hand genommen hast.
Sondern, dass du sie bis heute nie wieder losgelassen hast.
Nicht alle Verbindungen entstehen aus Perfektion.
Manche entstehen aus zwei Menschen, die zuerst die Dunkelheit des anderen gesehen haben und trotzdem beschlossen haben, zu bleiben.
Du bist nicht nur ein Teil meiner Geschichte.
Du bist der Grund, warum ich weitergeschrieben habe.
Unsere Hände berühren sich nicht nur.
Sie erzählen eine Geschichte.
Eine Geschichte von Vertrauen.
Von Geduld.
Von Heilung.
Von zwei verlorenen Seelen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufeinander getroffen sind.