Was wird, wenn nicht alles gezeigt werden darf?
Es kommt mir fast unwirklich vor, dass mein letzter Beitrag vom 3. September ist.
Dieser Monat war… sagen wir: intensiv.
Es war kein einfacher Monat. Viel Arbeit, viel Druck, viel im Kopf – und zwischendurch dieses Gefühl, kreativ komplett festzustecken. Gleichzeitig musste eine neue Ausstellung vorbereitet werden, und diesmal war von Anfang an klar, dass ein Teil meiner Arbeit draussen bleiben würde.
Was wird, wenn nicht alles gezeigt werden darf?
Für diese Ausstellung musste ich einen Teil meiner Arbeit draussen lassen. Die Werke aus THIS IS ME waren hier nicht vorgesehen.
Also stand ich plötzlich vor einer ziemlich einfachen Frage:
Was zeige ich, wenn genau diese Bilder nicht gezeigt werden können?
Die Antwort kam nicht sofort.
Im Gegenteil.
Ich war lange blockiert. Ich wusste nicht, was ich malen sollte, ohne mich selbst zu wiederholen – aber auch ohne etwas zu machen, das sich plötzlich nicht mehr nach mir anfühlt.
Ich habe lange gebraucht, bis wieder Bilder entstanden sind, bei denen ich gemerkt habe:
Ja. Das bin immer noch ich.
Nur anders.
Statt offener Wunden kamen Ironie, schöne Fassaden, schwarzer Humor, bröckelnder Glanz, absurde Figuren, Zürich, Tiere mit Haltung und Frauen aus einer Welt irgendwo zwischen den 40er- und 50er-Jahren.
THIS IS ME bleibt dabei ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Diese Ausstellung ersetzt diese Werke nicht und macht sie auch nicht leiser.
Für diesen Raum musste ich einfach einen anderen Weg finden. Einen Weg, der genauso zu mir gehört, aber mit anderen Bildern arbeitet: mit Ironie, Fassaden, Tieren, Städten, Figuren und schwarzem Humor.
Vielleicht ist genau das gerade spannend für mich: dass beides nebeneinander existieren kann.
Die direkte, persönliche Sprache von THIS IS ME – und diese andere, spielerischere, manchmal absurdere Seite meiner Arbeit.
Beides bin ich.


Zuerst möchte ich aber Danke sagen.
Danke an die Menschen, die immer da sind. Die zu meinen Ausstellungen kommen, mich unterstützen, nachfragen, mitfiebern und einfach präsent sind.
Diese Unterstützung bedeutet mir unglaublich viel – wahrscheinlich mehr, als ich manchmal sagen kann.
Während dieser Ausstellung habe ich auch Künstlerinnen und Künstler kennengelernt, deren Arbeiten mich begeistert haben – aber genauso ihre Art, ihre Persönlichkeit und die Gespräche, die daraus entstanden sind.
Einige Begegnungen gingen weit über ein kurzes «Hallo» hinaus. Und genau solche Momente bleiben.
Und dann waren da natürlich auch die Menschen, die ich vorher überhaupt nicht kannte. Besucherinnen und Besucher, mit denen ich ein paar Worte gewechselt habe – manchmal nur kurz, manchmal länger.
Auch das gehört für mich zu einer Ausstellung.
Es war keine Ausstellung mit riesigem Besucherandrang. Aber sie war schön. Ruhiger vielleicht, als man es sich manchmal wünscht – dafür aber mit echten Begegnungen.
Ich glaube, viele Menschen haben immer noch das Gefühl, dass man eine Galerie nur betreten darf, wenn man am Ende auch ein Bild kauft. Fast so, als wäre man sonst fehl am Platz.
Dabei ist das für mich überhaupt nicht das Wichtigste.
Natürlich freue ich mich, wenn ich ein Bild verkaufe. Sehr sogar.
Aber ich liebe genauso diese kleinen Momente: wenn jemand vor einem Bild stehen bleibt, genauer hinschaut, lächelt oder plötzlich laut lachen muss.
Wenn ein Werk etwas auslöst.
Genau darum geht es für mich auch.

Und THIS IS ME?
Auch diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.
Im Gegenteil.
Ich möchte THIS IS ME im nächsten Jahr nach Zürich bringen – als eigene Einzelausstellung, mit dem Raum und der Aufmerksamkeit, die dieses Projekt für mich verdient.
Dazu wird es noch einen eigenen Beitrag geben.
Denn THIS IS ME ist kein Kapitel, das ich einfach abgeschlossen habe. Es ist eine Arbeit, die weiterlebt und die ich noch einmal ganz bewusst und in einem eigenen Rahmen zeigen möchte.
Mehr dazu bald.
Und was wird jetzt?
Ganz einfach:
Es geht weiter.
Vom 29. Oktober bis 1. November stelle ich wieder aus – diesmal an der Trittligasse 4.
Und dafür brauche ich neue Arbeiten.
Nicht nur für diese Ausstellung, sondern auch mit Blick auf November, denn dann geht es weiter nach Luzern.
Dort wartet auf mich ein sehr, sehr, sehr grosser Ausstellungsraum.
Was also wird?
Viele neue Bilder.
Viel Arbeit.
Wahrscheinlich wieder Zweifel, Übermalen, Verwerfen, neu anfangen – und hoffentlich entsteht genau daraus wieder etwas, das hängen bleibt.
Im Moment habe ich also nicht wirklich Zeit, lange zurückzuschauen.
Die nächste Wand wartet schon.
Was wird?
Ich male es gerade.
